JFR-Thémis-Förderlinie: Erfolgreicher Workshop „Relationalität im Recht“ an der Universität Potsdam
Am 23. Oktober 2026 fand an der Universität Potsdam der Workshop „Relationalität im Recht – Neue Perspektiven auf Subjekte, Normen und Strukturen“ statt. Die von Dr. Isa Bilgen (Universität Potsdam) organisierte Veranstaltung wurde im Rahmen der JFR-Thémis-Förderlinie unterstützt. Insgesamt kamen 28 Personen, einschließlich der Referierenden, zusammen, um über neue Perspektiven auf Recht, Freiheit, Gleichheit und Verantwortung zu diskutieren. Im Mittelpunkt des Workshops stand die Frage, wie relationale Ansätze das traditionelle Verständnis von Recht und Rechtssubjektivität erweitern können. Ausgangspunkt war die Kritik an der Vorstellung eines abstrakten, isolierten Rechtssubjekts, das unabhängig von seinen sozialen Beziehungen und gesellschaftlichen Bedingungen gedacht wird. Stattdessen rückten soziale Beziehungen, strukturelle Abhängigkeiten und individuelle Verletzlichkeit in den Fokus. Diskutiert wurde insbesondere, welche Konsequenzen sich aus einer solchen Perspektive für die Rechtstheorie und unterschiedliche Rechtsgebiete ergeben.
Die fünf Vorträge beleuchteten diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven: Clemens Dahlke untersuchte, ob die rechtliche Abstraktion sozialer Verhältnisse einer relationalen Rechtskonzeption grundsätzlich entgegensteht. Daria Bayer entwickelte Überlegungen zu einem relationalen Strafrecht, das gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse und strukturell begünstigtes Unrecht stärker berücksichtigt. Isa Bilgen setzte sich mit dem Vernunft-Natur-Dualismus als Ausgangspunkt einer relationalen Rechtskritik auseinander und plädierte für die Einbeziehung der sozialen und ökologischen Mitwelt in ein relationales Freiheits- und Rechtsdenken. Catharina Caspari zeigte auf, wie ein strukturell-situatives Verständnis von Vulnerabilität neue Verbindungen zwischen Menschenrechts- und Klimavölkerrecht eröffnen kann. Victoria Guijarro Santos widmete sich schließlich am Beispiel künstlicher Intelligenz der Frage, wie das Recht technische Systeme und gesellschaftliche Beziehungen nicht nur reguliert, sondern selbst mitgestaltet. Die Beiträge und anschließenden Diskussionen verdeutlichten die rechtsgebietsübergreifende Bedeutung relationalen Denkens und eröffneten eine kritische Auseinandersetzung mit seinen normativen und institutionellen Konsequenzen.
Das JFR freut sich, diesen wissenschaftlichen Austausch durch die Thémis-Förderlinie ermöglicht zu haben, und dankt insbesondere Isa Bilgen für die Organisation sowie allen Referierenden und Teilnehmenden für ihre Beiträge und die anregenden Diskussionen!



